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Kolumne: "Coming Home"

Ein letztes und ein erstes Mal

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Vor ungefähr drei Jahren war ich in Konstanz mit einem Problem konfrontiert, das mich hierzulande sehr wahrscheinlich nicht ereilen wird: meine Friseurin verlegte ihren Standort ins Nicht-EU-Ausland. Und stellte mich damit vor die Frage: gehst du mit? Für 37 Franken? Umgerechnet 35 € für Kontinuität auf dem Kopf. Kurzgesagt, ich war es mir wert.

Denn in einer fremden Stadt geht es beim Friseur ja nicht nur um neue Haare und alte Zöpfe. Jede Begegnung kann den Beginn einer gemeinsamen Zukunft markieren. Beim zweiten Friseurbesuch hatten wir beide schon mehr gemeinsame Geschichte als mit 99,99 % der Reststadt. Veronika, die ich bis zum Schluss siezte, war eine meiner Konstanten in Konstanz. Sie führte die Schere vor meiner Hochzeit, offenbarte wie sehr sie sich Enkel wünschte, als meine Kinder geboren wurden, und probierte so allerhand aus auf meinem Kopf.

Obwohl uns nicht wenig trennte, insbesondere Politisches und Weltanschauliches, entstand ein Vertrauensverhältnis. Pandemiebedingtes Home-Office bedeutete: acht Kilometer einfache Radelfahrt mit zwischenzeitlich unerlaubtem Grenzübertritt – und besagte 37 CHF. Angelehnt an die bekannte Haarspray-Werbung kann man sagen: die Beziehung hält. Beziehungsweise hielt.

Der Umzug nach Gundelfingen in diesem Sommer setzte dem ein Ende. Ein letztes Mal: „Wie läufts bei der Musik?“ Und: „Bei der Firma passt alles?“ „Wie geht’s den Kindern? Oder, zwei haben Sie jetzt?“ Schließlich: Leben Sie wohl, adieu coiffeur!

An dieses letzte Mal hat sich mittlerweile ein erstes Mal angeschlossen. Ein Salon mit drei Friseurinnen statt nur einer Inhaberin. Bekannte Kundschaft und mitunter gemeinsame Geschichte. Da beginnt man nicht bei null, wägt die Worte, duzt schon beim Hallo. Ist das am Ende zu vertraut für eine neue Vertrauensbeziehung?

Wollen wir die Erwartungen an ein Haarstudio mal nicht zu hoch schrauben. Aber eine Komplizin für den Kopf könnte schon gefunden sein. Diese Woche bin ich zum zweiten Mal dort.

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