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Kolumne: "Coming Home"

Nochmal neu im Alten anfangen

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„Abnabeln“ ist ja meist ein recht einschneidendes und vor allem punktuelles Ereignis. So kann man meinen Fortgang aus dem Landkreis Dillingen sicher nicht beschreiben. Es war ein Abschied auf Raten nach meinem Zivildienst in der Lauinger Elisabethenstiftung 2007. In den ersten Semestern meines Studiums in München bildeten immer noch die Jugendliebe, der Handballverein und die Band mein Gravitationszentrum, das mich stets zuverlässig in den Landkreis Dillingen zog. Das sollte sich mit dem Ende des Studiums, das ich zeitgleich mit meiner Jugendliebe abschloss, ändern.

Wir zogen nach Konstanz und die Anziehungskraft ließ mit größer werdender Entfernung nach. (Ich grüße an dieser Stelle erst- und einmalig meine ehemaligen Physiklehrer am Sailer-Gymnasium, die mir dieses Sprachbild seinerzeit sicher nicht zugetraut hätten). Die Jugendliebe wurde meine Ehefrau und spätestens mit der Geburt unserer Kinder am Bodensee entwickelt sich ein ganz neuer Anziehungspunkt mit Gewicht. (Ja, Herr Möller, es müsste „Masse“ heißen, nicht Gewicht, aber das funktioniert sprachlich halt nicht).

Unser Leben in Südbaden hat nur noch wenig mit dem Alltag oder den Beziehungen in Nordschwaben zu tun, obwohl ich in Vollzeit für das Gundelfinger Familienunternehmen arbeite. Klar, die obligatorischen Hochzeiten, Weihnachten, runde Geburtstage, wenn nicht gerade Pandemie ist, ziehen uns zurück. Aber Konstanz gibt uns die Chance uns neu zu (er)finden. Und das tun wir. Wir schließen uns politischen, sozialen und ökologischen Initiativen und Vereinen an. Wir verfolgen unseren Traum vom eigenen Kulturzentrum und versuchen uns selbst als Künstler, als ein Krankenhaus vor dem Abriss noch einen letzten Auftritt bekommt. Ich gründe einen Kulturverein, organisiere einen Pop-up Space, mache Veranstaltungen zum Thema „Soziales Unternehmertum“.

Als der Traum vom eigenen Kulturzentrum schließlich doch platzt, ziehen wir gerade innerhalb der Stadt um und die Pandemie in Deutschland ein. Die neue Erdgeschosswohnung mit Garten hilft, die Herausforderungen der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen zu bewältigen. Sie zeigt uns aber auch, wie sehr wir die Lebensform unserer Kindheiten in Kicklingen und Gundelfingen schätzen. Ein eigener Garten, nah an Wald und Flur. Für 80 € pro Monat mieten wir sogar eine Garage dazu.

Aus mehrerlei Gründen, die noch Gegenstand dieser Kolumne sein werden, beschließen wir Ende 2020, den Bodenseenebel gegen den Nebel der Donauauen zu tauschen. Dass wir nicht die Einzigen mit dieser Idee sind, sehen wir in der Presse und auf dem unentspannter werdenden Immobilienmarkt. Sei‘s drum, wir kommen! Handeln statt Hadern, lautet jetzt die Devise. Das Familienunternehmen bietet die Chance meine Vorstellungen von mehr sozialer Nachhaltigkeit und integrierter Kultur im Kleinen umzusetzen und das Lebenswerk des Vaters fortzuführen.

Diese Kolumne schreibe ich aus der Perspektive eines Wiederkehrers, der seine persönlichen Erinnerungen mit den Erfahrungen aus der Fremde kombinieren und die Besonderheiten des Landkreises neu entdecken will. „Annabeln“, kann das gelingen? Was erwartet uns „zuhause“? Und wie erwartet es uns? Sind die Sportvereine noch so attraktiv wie damals? Wovon werden wir Abschied nehmen müssen? Neben allen offenen Fragen steht eines aber jetzt schon fest: die Jugendliebe kommt mit.

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Kulturprojekte

Am Arsch der Heide

Am Montag um 10:01 Uhr lerne ich Veronika Fischer am Telefon kennen. Sie meint, wir könnten im Rahmen des Hackathons am darauffolgenden Samstag einige lokale Autor*innen präsentieren. Nicht mal 100 Stunden später ist unser 40-minütiges Video fertig. Eine Geschichte mit viel Tempo und Temperament.

Veronika ist in der Kulturszene dies- und jenseits der Grenze zur Schweiz gut vernetzt und hat schon am Montagnachmittag die Texte von acht lokalen Autor*innen beisammen.

Am Dienstag ist klar, dass Tomasz Robak lesen, aber keine Zeit für ein Live-Event haben wird. Wir brauchen also eine Aufzeichnung. Ein Filmteam haben wir nicht.

Am Mittwoch suchen wir, d.h. Veronika und ich, einen geeigneten Drehort aus. Ich habe nämlich Blut geleckt an der Aktion und will sehr gerne die Videoproduktion übernehmen (das mache ich zwar sehr selten, aber mit viel Leidenschaft). Der einzig freie Drehtermin ist Donnerstag zwischen 8:30 Uhr und 9:45 Uhr, um ca. 40 Minuten Video zu erstellen.

Am nächsten Tag drücke ich um kurz nach 9 auf die Auslöser. Um 10 Uhr bin ich pünktlich in meinem Geschäftsmeeting. Die folgenden beiden Nächte editiere und schneide ich. 

Samstag früh um 4 Uhr ist das Video gerendert und verfügbar. Die Premiere beim Hackathon am Abend glückt. 

Es war ein wunderbar spontanes, leidenschaftlich ernsthaftes, selig machendes Kunstprojekt. Gerne mehr davon!

Hier ist das Ergebnis:

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Kulturprojekte

Liebesgrüße aus Konstanz

Zusammen mit dem Serviceclub Soroptimist International stellte der Konstanzer Spotlight Chor zwei Benefizkonzerte auf die Beine. Im Theater Konstanz gab man eine Revue aus allen James Bond Titelsongs zum Besten. Neben den Sängerinnen und Sängern waren auch das Salonorchester Da Capo, ein Show-Tanzpaar, Pole Fitness, eine Seilartistin und zwei Konstanzer Parkourläufer verantwortlich für: Liebesgrüße aus Konstanz.

Es war eine großartige Gemeinschaftsleistung aus Profis und Amateuren. Mit ganz viel Feuer, Hingabe und Leidenschaft. Ein Herzensprojekt von Konstanzern für Konstanzer.

Neben meiner Tätigkeit als Musical Director war ich auch für große Teile der Bewerbung und Vermarktung der beiden Benefizkonzerte zuständig.

Die komplette Agenturleistung für Beratung und Gestaltung sponsorten übrigens die phantastischen Red Monkeys aus Konstanz.

Am Ende konnte eine Spende des Soroptimist International Club Konstanz an die Brückenpflege e.V. in Höhe von 20.000 € realisiert werden.

Mehr Infos zur Brückenpflege und wie sie weiter unterstützt werden kann: www.glkn.de/glkn/standorte/klinikum-konstanz/nichtmedizinische-bereiche/brueckenpflege/brueckenpflege-start.php

Solistin Ony Heckmann und Solist Justin Hayo
Kostümwechsel die Dritte
Gesamtleiter Gary Peinke bedankt sich mit sehr persönlichen Worten bei allen Beteiligten

Mehr Informationen zu meiner Tätigkeit als Musikalischer Leiter.